Atari 7800 (PAL) Umbau auf Composite-Ausgang

Einleitung

Der Atari 7800 in seiner vollen Schönheit :)Den Atari 7800 kann man nur über den eingebauten HF-Modulator und den Antenneneingang anschließen. (Es sollen französische Modelle mit Scart-Ausgang existieren). Der Artikel beschreibt wie man ein FBAS-Signal aus dem Atari bekommt, um z.B. den Compositeeingang oder die Scartbuchse eines modernen Fernsehers zu speisen.

Die Idee ist nicht von mir. Es gibt zahlreiche Anleitungen für den Umbau von NTSC-7800ern im Netz. Eine wirklich vernünftige Anleitung für die PAL-Modelle existiert jedoch meines wissens nach nicht. Die hier beschriebene Lösung ist die Umsetzung der im AtariAge-Forum beschriebenden NTSC-Variante für PAL-Geräte.

Abgrenzung

Revision C des PAL 7800er Mir liegen nur PAL 7800er mit Board Revision C vor. Die Revisionsnummer lässt sich auf der Mainboardoberseite in der rechten unteren Ecke (direkt über den Reset + Select Tasten) ablesen.

Der Umbau sieht einen Signalverstärker für das Videosignal vor. Die Schaltung funktioniert auch an NTSC-Konsolen, hierfür bitte die Originalanleitung im Atariage-Forum lesen.

Leider funktioniert die umgebaute Konsole nicht an allen Geräten die Composite-Signale annehmen. Mehr dazu unter Test.

Sinn und Zweck (Ziel)

Das Spiel "Choplifter!" vom TV abfotografiert. Das bild ist verrauscht.Sinn des Umbaus ist es, ein besseres Video- und Audiosignal aus der Konsole zu bekommen. Das Bild über den Modulator ist je nach Anzeigegerät mehr oder weniger stark verrauscht, der Ton brummt etwas. Durch das Mischen von Audio- und Videosignal kommt ein helligkeitsabhängiges Brummen sowie ein leichter Moiré-Effekt dazu. Der Screenshot rechts zeigt ein typisches Bild vom 7800er an einem LCD-TV.

Ton und Bild sollen nach dem Umbau über Composite(Cinch)-Buchsen und evtl. einen Scartadapter an den Fernseher oder Monitor angeschlossen werden können. Der Modulator wird abgeklemmt aber nicht völlig aufgegeben. Sollte der Umbau nicht funktionieren können seine Pins wieder angelötet werden.

Aufwand und Kosten

Für den Umbau muss der Atari geöffnet, mehrere Verbindungen durchtrennt, eine kleine Schaltung aufgebaut und eingelötet sowie zum Schluss die Anschlüsse ins Gehäuse gebaut werden. Alle nötigen Werkzeuge und Übung im Umgang mit dem Lötkolben vorausgesetzt benötigt man für den Umbau ca. eine Stunde.

Der Materialaufwand beläuft sich auf weniger als 5€.

Werkzeuge

  • Seitenschneider
  • Telefonzange
  • Kreuzschraubendreher
  • Lötkolben mit feiner Spitze + Lötzinn
  • evtl. Heißklebepistole (macht das Befestigen leichter)
  • Bohrmaschine / Akkubohrer + Bohrer

Material

Alle hier aufgeführten Links führen zu Reichelt.

Der Umbau

Gehäuse öffnen & Mainboard freilegen

Der 7800er von Unten. Fünf Schrauben halten ihn zusammen. Das Mainboard mit HF-Abschirmung Blechnasen halten den Schirm zusammen. Das befreite Mainboard. Interessant ist die obere linke Ecke um den Modulator herum.

Zuerst muss der Atari geöffnet werden. Das Gehäuse besteht aus zwei Plastikschalen die durch fünf Schrauben an der Unterseite zusammengehalten werden. Eine Schaube ist unter dem Garantiesiegel in der Mitte versteckt. Nach dem lösen der Schrauben den Atari wieder auf die Füße stellen und die obere Hälfte des Gehäuses abnehmen. Das Mainboard liegt nun wie in einer Schale in der unteren Hälfte und kann herausgenommen werden.

Das Board selbst ist in einen zweiteiligen HF-Schirm aus dünnem Blech eingepackt. Aus der unteren Schirmhälfte stoßen kleine Blechnasen durch die Platine in dafür vorgesehene Löcher in der oberen Hälfte. Dort sind die Blechnasen entwerder umgebogen oder verdreht um die beiden Hälften zusammenzuhalten.

Diese Nasen werden nun gerade gebogen. Die Nasen über dem Modulschacht sind etwas schwer zugänglich und lassen sich nur mit einer langen Zange erreichen. Sind alle Laschen aufgerichtet können die Schirmhälften vorsichtig abgezogen werden.

Modulator abklemmen & A-V-Kopplung auftrennen

Anschluss des HF-Modulators. Dieser hier ist sogar beschriftet. R62 sitzt direkt neben dem Modulator, etwas unterhalb des Kanalschalters.

Der HF-Modulator sitzt in der oberen linken Ecke. Sein Blechgehäuse ist mit sehr großen Lötpunkten auf Masse gelegt. An seiner Rückseite guckt ein kleines Stück Platine mit vier Anschlusspins heraus. Alle vier Pins werden mit dem Seitenschneider etwa auf Höhe des Knicks durchtrennt und ein wenig aufgebogen.

Der Widerstand R62 (siehe rote Markierung rechtes Bild) verbindet das Videosignal mit der Audio-Video-Mischstufe. Da der Modulator nicht länger genutzt wird kann diese Kopplung aufgetrennt werden. Der „Video“-Pin am Modulatoranschluss trägt danach nurnoch das FBAS-Signal ohne Audio. Dadurch wird das Bild etwas ruhiger (weniger bis gar kein Moiré) und der Ton etwas klarer. R62 ist in den Rev. 2 Schaltplänen von AtariAge mit R1 gekennzeichnet. Beim Suchen nützt die Kennzeichnung nichts, die Beschriftung befindet sich unter den Widerständen. Am einfachsten ist es, nur einen Anschlusspin des R62 durchzuschneiden und den Widerstand etwas hochzubiegen. So geht er nicht verloren und lässt sich mit einem Tropfen Lötzinn jedezeit wieder anklemmen. Die Widerstände R32 und R33 verbinden die Sound-Chips mit der Mischstufe. Sie werden ebenfalls aufgetrennt. Ihre Position ist auf dem rechten Bild zu sehen.

Videosignalverstärker aufbauen

Videosignalverstärker Fertig aufgebauter Verstärker auf einem Stück Lochrasterplatine. Die Schaltung aus dem Plan links im Bild aufbauen. Da es nur vier Bauteile sind kann die Schaltung fliegend verdrahtet werden. Ich habe sie auf ein ca. 2x2cm großes Stück Lochrasterplatine stehend aufgebaut. Daneben ist noch genug Platz für einen zusätzlichen Widerstand, der später für den Audioausgang benötigt wird.

Videosignal abgreifen

Die Pins dieses Modulators sind beschriftet, man kann schön sehen was wo abgegriffen werden kann. Drähte an die Pins gelötet. +5V, Masse und das Videosignal können direkt an den Anschlüssen des Modulators abgegriffen werden. Das linke Bild zeigt einen Modulator mit Beschriftung, diese haben allerdings nicht alle. Der vierte Anschlusspin (Channel) ist für den Kanalumschalter und bleibt frei. Die Anschlussleitung zum Verstärker sollte möglichst kurz sein, fünf bis sieben Zentimeter sollten reichen.

Audiosignale abgreifen

Die abgetrennten und hichgebogenen Widerstände R32 und R33. an deren Lötaugen werden die Tonsignale abgegriffen. So kommt Ton aus dem 7800er. Der 7800er hat zwei mögliche Tonquellen: den eingebauten TIA-Chip (der Artikel dazu in der Englischen Wikipedia ist besser) und den POKEY-Chip den einige Module mitbringen.

Beide Signale liegen an den Widerständen R32 und R33, die zvor aufgetrennt wurden, direkt an. Das Bild links zeigt wie und wo beide Signale abgegriffen werden müssen. In den Signalweg für TIA-Audio kommt noch ein 47KOhm Widerstand um die Lautstärkepegel beider Signale etwas anzugleichen. Der Einzelne Widerstand fand bei mir noch auf dem Stück Lochrasterplatine Platz. Dort kann man dann auch gleich TIA- und POKEY-Audio verbinden und zu den Chinch-Buchsen führen. Das Schaltbild im rechten Bild zeigt wie.

Buchsen & Signalverstärker befestigen

Drei Löcher ins Gehäuse. Die Verstärkerplatine an die Rückseite der Modulatorplatine geklebt. Vorsicht! Bei stehenden Widerständen geht hinterher der HF-Schirm nicht mehr drauf. Einen geeigneten Platz für die Cinch-Buchsen suchen. Im Gehäuse ist viel Platz, es sollte nicht schwer sein da was zu finden. Die Unterseite der unteren Gehäusehälfte, links neben dem Modulator ist ideal. Dort sind die Buchsen nah an der Schaltung, keine langen Leitungen nötig. Außerdem hat der HF-Schirm (ja der muss auch noch drauf!)an dieser Stelle eine Aussparung, die ursprünglich für einen Erweiterungsport gedacht war. Dort lassen sich die Kabel gut durchziehen.

Bei meinem Atari habe ich eine 3er Buchsenleiste mit Heißkleber in das Gehäuse geklebt.

Die Verstärkerplatine sollte auch irgendwo befestigt werden, damit sie nicht im Gehäuse herumfliegt. Wie auf den Bildern zu sehen habe ich sie an die Rückseite der Modulatorplatine geklebt. Das war nicht ganz optimal, ich musste die stehenden Widerstände stark umbiegen, damit der HF-Schirm noch draufpasst. Eine andere Möglichkeit ist, die Platine mit doppelseitigem Klebeband auf einen der ICs oder an den Modulator zu kleben.

Zusammenbauen

Alles an seinem Platz. Die Leitungen zu den Buchsen können hinter dem Modulator durch eine Öffnung im HF-Schirm geführt werden. Das Endergebnis.

Vor dem Zusammenbau am besten nochmal testen. Bild und Ton sauber? Am besten mit dem eingebauten 7800 Spiel sowie einem 2600 Modul testen. Wenn alles funktioniert wie gewünscht in umgekehrter Reihenfolge zusammenbauen. Am besten erst untere Schale des HF-Schirms auf die Platine stecken. Platine ins Gehäuse legen, die neuen Anschlussleitungen sauber verlegen und den Deckel des HF-Schirms aufsetzen. HF-Schirm Nasen umbiegen. Deckel drauf, zuschrauben.

Test

Screenshots mit Anschluss per Modulator

Wie der 7800 normalerweise aussieht. Farben etwas matt, Bild leicht verrauscht. Ton brummt.

Screenshots am FBAS Ausgang, Modulator nicht abgeklemmt

Farben sind kräfiger, dafür hässliches Moiree durch die Kopplung zwischen Audio und Video. Nicht empfehlenswert.

Screenshots am FBAS Ausgang, A/V getrennt und Modulator abgeklemmt

Links

Umbauanleitungen / Videomods

  • http://www.retrobrot.de/a7800mod/a7800mod.html eher schlechte deutsche Anleitung mit Bildern, ohne VideoAmp, PAL. Hier wird die Widerstandsleiter für Chroma und Luma mit Potis nachgebaut. Es muss nichts entfernt werden, alle Widerstände und der Modulator bleiben drin. Bezieht sich aber auf Board Rev3.

Schaltpläne & Layouts

Ersatzteile & Hardware

  • http://www.vesalia.de/ Competition Pro Nachbau mit Atarianschluss. Wohl einer der besten Joysticks für ältere Computer und Konsolen.
  • Stecker-Schaltnetzteil, 1000mA, bei Reichelt als Ersatz fürs Atari-Netzteil. 3,5mm-Klinke Adapter für Stromanschluss des Atari 2600 ist dabei. Für Betrieb am 7800er muss die Buchse an der Konsole gegen etwas passendes getauscht werden.

Reichelt

Netzteilmodifikation

  • 1x Stecker-Schaltnetzteil, 1000mA getestet, funktioniert. Dieses Netzteil bringt z.B. einen passenden Stecker für den Atari 2600 mit.
  • 1x Hohlstecker-Einbaubuchse um neues Netzteil anzuschließen. Der 7800er hat eine merkwüdige Stiftbuchse, die kann durch diese Hohlsteckerbuchse ersetzt werden.
atari_7800/pal_video_mod.txt · Zuletzt geändert: 2011/01/18 15:35 von miq
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